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Wohl des Kindes
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Endlich ein Papa

Wie Hartnäckigkeit zum Erfolg führen kann

von Thomas Klaas

Anfangs war es für Yvonne und Philipp zwar nicht gerade das größte Problem, dass der Vater sich nicht um sein Kind kümmerte und keinerlei Anstalten machte, so etwas wie einen geregelten Umgang auszuüben. Doch für Yvonne war klar, dass Philipp Kontakt zu seinem Vater haben sollte – und das am liebsten geregelt und nicht nur sporadisch.

Yvonne hat eine Vielzahl von Versuchen unternommen, damit es zu einem Kontakt zwischen Philipp und seinem Vater kommt. Den Anfang machte ein gemeinsamer Besuch mit dem Vater von Philipp bei einer Kinder- und Jugendpsychologin. Hat es schon sehr viel Mühe gekostet, den Vater von der Wichtigkeit dieses gemeinsamen Termins zu überzeugen, so war das Ergebnis um so ernüchternder: obwohl die Psychologin den Eltern während ihres Termins die Folgen aufgezeigt hat, unter denen das Kind eventuell leiden könnte, sollte es nicht zu beiden Elternteilen regelmäßigen Kontakt haben, entschied sich der Vater ganz eindeutig gegen den Umgang und Philipp konnte nach wie vor keinerlei Beziehung zu seinem Vater aufbauen.

Die nächste Anlaufstelle war das Jugendamt. Hier versicherte man Yvonne, den Vater zu kontaktieren und darauf hinzuwirken, dass in Zukunft ein geregelter Umgang zwischen Philipp und seinem Vater stattfinden wird. Das Jugendamt hat dann auch seine Zusage eingelöst und Kontakt zum Kindesvater aufgenommen. Auch Wochen später weiß Yvonne nur, dass das Jugendamt und Philipps Vater miteinander gesprochen hatten – eine Rückmeldung über das Ergebnis hat es jedoch bis heute nicht gegeben. Lediglich eines musste Yvonne erkennen: auch das wie auch immer geartete Einwirken des Jugendamtes auf den Kindesvater hat nicht dazu geführt, dass dieser seine Meinung geändert hat. Nach wie vor kam es auch damals nicht zu einem Umgang zwischen Vater und Sohn.

In der Zwischenzeit besuchte Philipp den Kindergarten. War der fehlende Umgang zum Vater anfangs insbesondere für Philipp kein großes Problem, sollte sich dies jedoch aufgrund der Erlebnisse im Kindergarten schnell ändern: Väter holten ihre Kinder aus dem Kindergarten ab, Väter kamen mit ihren Kindern zum regelmäßig im Kindergarten durchgeführten „Vater-Kind-Tag" und verbrachten dort mit ihrem Nachwuchs tolle Stunden und die Kindergartenkinder aus Philipps Gruppe berichteten immer wieder darüber, was sie alles am Nachmittag oder am Wochenende mit ihren Vätern unternommen hatten. Philipp konnte bei all diesen Dingen nicht mithalten – er hatte gar keinen Vater, jedenfalls keinen, den er kannte und der sich Zeit für ihn nahm.

Je mehr Philipp sich mit seiner Situation auseinandersetzte, desto unausgeglichener wurde er und ließ seine Wut und seinen Ärger über den fehlenden Vater an seiner Mutter aus. Dies war für Yvonne der Anlass, einen erneuten Versuch zu wagen. Für Yvonne gab es neben dem Wohl für Philipp einen weiteren Grund, sich für einen Umgang zwischen Vater und Sohn einzusetzen: sie wollte sich später nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, nicht genügend dafür getan zu haben, dass Philipp und sein Vater ausreichend Zeit miteinander verbringen konnten.

Die dritte Station bei Yvonnes Umgangs-Bemühungen war im November 2003 die Evangelische Familien- und Erziehungsberatungsstelle in Bielefeld. Nach einem ersten Gespräch wurde seitens der Familienberatungsstelle ein begleiteter Umgang vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wurde dem Vater von Philipp dann auch in einem Einzelgespräch, zu dem sich der Vater immerhin bereit erklärt hatte, unterbreitet. In einem weiteren Termin, den Yvonne und Philipps Vater dann gemeinsam wahrnahmen wurde die Idee des begleiteten Umgangs dann wieder verworfen und es wurde ein ganz normaler, regelmäßiger Umgang ins Auge gefasst.

Der erste Kontakt zwischen Philipp und seinem Vater kam dann im April 2004 zustande – nach Wochen und Monaten des Überzeugens, Einredens aber auch Bangens, ob der Vater auch wirklich zu seinem Wort stehen wird. Philipps Vater hat Wort gehalten: seit fast eineinhalb Jahren sehen sich Philipp und sein Vater alle vier Wochen Samstags.

Neben all den Situationen, in denen es nie zu einem problemlosen Umgang zwischen dem nicht betreuenden Elternteil und den Kindern kommt oder in denen gar jeglichem Kontakt ausgewichen wird hat Yvonne es geschafft, den Vater für einen regelmäßigen Umgang mit Philipp zu gewinnen. Zwei Dinge sind Yvonne in der Zeit seit ihrem ersten Versuch klar geworden: erstens sind Hartnäckigkeit und energische Suche nach jemandem, der bei der Vereinbarung des Umgangs unterstützend tätig ist, unabdingbar und zweitens müssen Vater und Mutter den Umgang letztendlich auch wirklich wollen - jede Halbherzigkeit, egal auf welcher Seite – hat nur ein Scheitern zur Folge.

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(09/2005)

 

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