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Birgit erzieht ihre heute 9 und 13-jährigen Kindern allein. Im Juni erzählt Birgit in der VAMV-SamstagsGruppe erleichtert und sichtbar glücklich, dass sich der Vater von der älteren Tochter Pia telefonisch gemeldet hat. Birgit freut sich und meint, dass der Anruf ein richtiges Geschenk für Pia sei – zumal Pia auch an diesem besagten Tag Geburtstag hatte. Klingt eigentlich ganz normal: ein Vater meldet sich am Geburtstag seiner Tochter und wünscht ihr alles Gute. Doch im weiteren Gespräch stellt sich heraus. das Birgit und ihre beiden Töchter eine zum Teil sehr schwierige Umgangs- und Trennungssituation hinter sich haben bzw. mittendrin stecken.
1997 trennt sich Birgit von ihrem Ehemann. Pia, die ältere Tochter, entscheidet sich, bei ihrem Vater weiterhin zu leben. Die jüngere Tochter Alexa zieht mit ihrer Mutter aus der elterlichen Wohnung aus. Mutter und Vater pflegen einen regelmäßigen Umgangskontakt mit ihren Kindern. 1999 unternehmen Birgit, Alexa und Pia einen 14-tägigen Urlaub. Anschließend äußert Pia den Wunsch, wieder mit der Mutter und ihrer jüngeren Schwester zusammenzuleben. Obwohl sich Birgit mit ihrer neuen Lebenssituation und einem Kind in ihrem Haushalt arrangiert hat – z. B. hat sie in der Zwischenzeit mit Alexa eine kleinere Wohnung bezogen – entspricht sie Pias Wunsch und ordnet erneut ihre Familiensituation – jetzt als Dreipersonenhaushalt. Pias Vater kann schlecht mit seiner veränderten Lebenssituation umgehen. Er reagiert unter anderem damit, keinen Kindesunterhalt zu zahlen. Auch seine Besuchskontakte stellt er gänzlich ein. Die beiden Kinder verstehen das Desinteresse von ihrem Vater nicht. Es wird viel darüber geredet. Birgit versucht hier ausgleichend zu wirken: erzählt beispielsweise von schönen Erlebnissen, die sie als Paarfamilie vor der Trennung erleben durften. Die beiden Töchter finden auch bei Birgit Unterstützung, ihrem Vater einen Brief zu schreiben, in dem der Umgangswunsch im Vordergrund steht. Eine Reaktion vom Vater bleibt aus. In der Zwischenzeit muss Birgit sich an die Unterhaltsvorschusskasse wenden, um den Kindesunterhalt sicherzustellen.
2001 erlischt der Unterhaltsvorschuss-Anspruch für Pia, weil Unterhaltsvorschuss nur bis zum zwölften Lebensjahr gezahlt wird. Birgit muss handeln und lässt den Kindesunterhalt gerichtlich klären. Daraufhin geht vom Vater auch wieder regelmäßig Unterhalt ein, Besuchskontakte bleiben allerdings aus. Die Zahlung des Kindesunterhalts hat auch eine Kehrseite: Anfang 2002 meldet sich Pias Vater telefonisch. Pia nimmt den Anruf entgegen und hört sich an, wie ihr Vater ihr eine weitere Kontaktaufnahme verbietet. Auch das Schreiben von Briefen solle sie unterlassen. Das Telefongespräch endet mit dem Ausspruch vom Vater "Du bist nicht mehr meine Tochter!" Die kleine Familie geht durch eine gefühlsmäßige Durststrecke, Birgit versucht, auf die Negativ-Gefühle wie Trauer, Wut und Zorn ausgleichend einzugehen. Birgit weiß, dass ihre beiden Töchter den Vater brauchen.
Und nun kommt der Geburtstagstelefonanruf im Juni für Pia. Ihr Vater gesteht ihr während des Telefonats auch, dass er sie bei seinem letzten Telefonanruf nicht verletzen wollte. Sie solle doch mit ihrer Schwester vorbeikommen und ihn besuchen. Er macht auch deutlich, dass seine Wut nicht an Pia, sondern an die Mutter gerichtet war.
Pias Vater hat damit den Spielball wieder aufgenommen. Nach fast zwei Monaten bemerkt Birgit aber immer wieder, dass Pia ihre Verletztheit nicht einfach so beiseite schieben kann. Pia verwirft die aufmunternden Worte ihrer Mutter, sich doch wenigstens telefonisch beim Vater zu melden. Offensichtlich hat Pia noch nicht die Kraft, ihrem Vater gegenüber zu treten. Sie braucht wahrscheinlich Zeit, will nicht noch einmal verletzt werden.
Birgit überlegt nun, das vom Vater aufgenommene "Spiel" in Fluss zu halten und dem Vater von Pia im Brief mitzuteilen, dass Pia offensichtlich noch Zeit benötigt, ihre Gefühle zu ordnen – im persönlichen Gespräch ginge das nicht, da er nicht mit ihr spreche. Birgit will damit den Eindruck beim Vater korrigieren, Pia (und Alexa) haben kein Interesse an ihrem Vater. Sie weiß nämlich, dass ihre Kinder den Vater brauchen.
*) alle Namen sind geändert
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(09/2002)
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