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Bildung und Betreuung von Kindern ist und bleibt immer ein wichtiges und für viele alleinerziehende Mütter und Väter auch ein existenzielles Thema, um Erwerbsarbeit und Erziehung miteinander zu vereinbaren. Die Einrichtung von flächendeckenden Ganztagsschulen als Angebot ist eine ganz alte und heute sehr aktuelle VAMV-Forderung. Die VAMV-Bundesdelegiertenversamml ung (BDV) verabschiedete noch im Jahr 2002 ein Positionspapier unter dem Titel "Kinder in guten Händen – Bildung in hellen Köpfen" zum Thema Kinderbetreuung und Ganztagsschule.
Dass das Thema Bildung und Betreuung wieder auf der politischen Wichtigkeitsliste steht, ist u. a. ein "Verdienst" von PISA. Die Ergebnisse der Untersuchung von "PISA" (Programme for International Student Assessment) und "IGLU" (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) brachten die "Ganztagsschule" massiv wieder ins Gespräch. Und damit wird die Hoffnung verbunden, einen Ausweg aus der Bildungsmisere zu finden. PISA attestierte nämlich den 15-jährigen deutschen Schülerinnen und Schülern ein sehr schlechtes Bildungsniveau und bescherte ihnen Plätze im letzten Drittel auf der Vergleichsskala. Bei IGLU schnitten die deutschen Grundschülerinnen und -schüler allerdings eher gut ab. Die skandinavischen Länder fanden sich bei PISA auf den ersten Rängen wieder und werden gerne nicht nur für den schulischen Sektor als großes Vorbild genommen - zu recht. Die große Bedeutung der ersten Schuljahre, in denen ein zuverlässiges Fundament in Lesen, Schreiben und Rechnen geschaffen wird, hat man beispielsweise in den skandinavischen Ländern wie Finnland oder Schweden erkannt. Während finnische Erstklässler nach vier Monaten lesen können, gibt es selbst in Baden-Württemberg Grundschulen, die am Ende der zweiten Klasse große Buchstabenfeste feiern, weil dann endlich das Alphabet durchgenommen ist. Der VAMV hat zur bildungs- und betreuungspolitischen Situation eine Vision, die, über den Tellerrand geschaut, einige Elemente nördlicher Länder beinhaltet:
"Stellen Sie sich vor, in Nordrhein-Westfalen gäbe es eine Ganztagsschule für alle Kinder bis zum Ende der Schulpflicht…,
- … dann würde ein Haus des Lebens und Lernens entstehen, in dem Kinder über den Tag verteilt lernen, spielen, sich ausruhen, sportlichen und musischen Aktivitäten etc. nachgehen,
- … dann würden an der Ganztagsschule ausreichend, gleichberechtigte Fachkräfte verschiedenster Professionen sich gegenseitig ergänzen,
- … dann gäbe es an der Schule mehr Menschen, die sich für die Entwicklung der Kinder interessieren, sie unterstützen und fördern, die sie unterrichten, anleiten und Rahmenbedingungen zur Entwicklung und Ausgestaltung kindlicher Freiräume zur Verfügung stellen,
- … dann stünden Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, sozialpädagogische Fachkräfte zuverlässig ganztägig als Bezugsperson für die Kinder zur Verfügung,
- ... dann würden Eltern und Kinder an der Gestaltung der Schule und an der Entwicklung und Fortschreibung von ganzheitlichen pädagogischen Konzepten beteiligt,
- ... dann könnten Eltern Berufstätigkeit und Familienarbeit miteinander vereinbaren,
- ... dann wären Eltern von schulischen Aufgaben, wie Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, etc. entlastet,
- ... dann hätten alle Kinder die gleichen Bildungschancen durch kostenlose selbstverständliche Teilnahme an verschiedensten Bildungsangeboten im Haus des Lebens und Lernens,
- ... dann bräuchten Eltern nicht für einen Platz zu kämpfen und keine Schülerin und kein Schüler auf einen Platz zu warten,
- ... dann würden keine Elternbeiträge erhoben,
- ... dann wären Bildungschancen von Kindern unabhängig vom sozialen und wirtschaftlichen Status der Eltern."
Die Politik hat auf PISA schnell reagiert. Kritiker meinen sogar zu vorschnell. Zum Schuljahresbeginn 2003/2004 gingen in NRW 240 Grundschulen mit insgesamt fast 12.000 Kindern als "offene Ganztagsgrundschule" an den Start. Auf der einen Seite gibt es für dieses politische Handeln viel Lob, zum anderen ernten die Macher auch viel Kritik. Ebenso muss man wissen, dass mit dem Start der "offenen Ganztagsgrundschule" das Ende der Horte ab dem Schuljahr 2007/2008 beschlossen ist. Aus dem katholischen Trägerbereich der Horte ging die Initiative "Pro Hort" hervor, die sich für eine Parallelstruktur, also die Weiterführung von Horten und "offenen Ganztagsgrundschulen" aussprechen. Ich freue mich, dass der VAMV-Landesvorstand die Initiative "Pro Hort" nicht unterstützen will, weil primär die Schule Verantwortung für die Förderung von Kindern übernehmen muss und die "offene Ganztagsgrundschule" ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist, um der Vision von "unserer" Ganztagsschule näher zu kommen.
Inwieweit sind Eltern denn nun über den neuen Alltag in der "offenen Ganztagsgrundschule" informiert? In zahlreichen Gesprächen bestätigte sich mein Verdacht, dass Eltern viel zu wenig über die ersten Laufschritte dieser Schulform wissen. In diesem Zusammenhang muss auch der Unterschied zwischen "gebundener" und "offener" Ganztagsgrundschule geklärt sein. Bei der "gebundenen Ganztagsgrundschule" nehmen alle Kinder, beziehungsweise der gesamte Klassenverband, am Ganztagsbetrieb der Schule teil. Eine gute Ausgewogenheit zwischen Lernen, Spielen, Sport, Entspannung, Projektarbeit und gemeinsamen Mittagessen ist hier meines Erachtens am ehesten gegeben und kommt den Bedürfnissen der Kinder am nächsten. Bei der "offenen Ganztagsgrundschule" bleiben die Kinder nicht in ihrem Klassenverband. Hier entscheiden die Eltern, ob ihr Kind am Ganztagsbetrieb teilnimmt. Die Kern-Unterrichtszeit der Schule reicht hier von 8 – 12.30 Uhr (oder an einigen Schulen bis 12 Uhr).
Das unten stehende Herforder Beispiel zeigt auch, dass die sozialpädagogischen Kräfte eng mit den Lehrern kooperieren und sie beispielsweise in die Lehrerkonferenzen mit eingebunden sind.
Vergleicht man die Konzepte der "offenen Ganztagsgrundschule" auf Landesebene, so stellt man sehr schnell fest, dass es keine einheitlichen Konzepte gibt. Ebenso muss man bedenken, dass das Schuljahr 2003/2004 das Einstiegsjahr für einige Grundschulen in den offenen Ganztagsbetrieb war und dass es hier und da noch Nachbesserungen geben muss.
Meines Erachtens ist es jetzt der richtige Zeitpunkt für den VAMV, sich mit den einzelnen Konzepten der "offenen Ganztagsgrundschule" zu beschäftigen, Vergleiche anzustellen und unsere Forderungen an die "offene Ganztagsgrundschule" zu formulieren und sie in die Politik zu tragen, damit unsere Vision vom „Haus des Lernens und Lebens" bestmöglichst in den Schulalltag Einzug erhält.
Diskutieren Sie mit uns und teilen Sie uns Ihre Meinung mit. Machen Sie sich kundig, nach welchem Konzept beispielsweise in ihrem Ort die "Offene Ganztagsgrundschule" eingeführt wurde oder werden soll.
Auf eine anregende Diskussion innerhalb des VAMV freue ich mich!
Beispiel einer Herforder "offenen Ganztagsgrundschule"
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7.30 - 8.00 Uhr
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Ankommenszeit (Lehrer) Hausaufgabenbetreuung/ spezielle Förderung (Lehrer)
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8.00 - 12.30 Uhr
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Unterrichts-Kernzeit (Lehrer)
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12.30 - 13.30 Uhr
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gemeinsames Mittagessen, Ausruhen/ Entspannen/freies Spiel (Lehrer/Sozialpädagoge)
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13.30 - 15.00 Uhr
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Hausaufgabenbetreuung/ spezielle Förderung (Lehrer) 1. + 2. Schuljahr anschließend 3. + 4. Schuljahr
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13.30 - 15.00 Uhr
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Angebote für 1. + 2. Schuljahr Angebote für 3. + 4. Schuljahr (beispielsweise Sportfördergruppe "Entspannung und Umgang mit Stress", Schreibwerkstatt, kreatives Gestalten, "Natur erleben" - Schulgarten, Projekte "Fremde Kulturen kennen lernen", Gewaltpräventionstraining (Sozialpädagoge) Englisch für 1. + 2. Klasse (Lehrer)
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13.30 - 15.00 Uhr
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zwischendurch: angeleitete Spiele, freies Spiel, Zeit zum Erholen und Entspannen
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ab 15.00 Uhr
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können die Kinder abgeholt werden
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15.00 Uhr
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gemeinsames "Kaffeekränzchen" (Sozialpädagoge) anschließend
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bis 17.00 Uhr
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Angebote nach Gruppenzusammensetzung (Sozialpädagoge)
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11/2003
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