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Um ihren eigenen Kindern eine gute Schulausbildung zu ermöglichen, stellen viele Eltern ihre knappen Zeitressourcen bereits heute in den Dienst der Schule, anstatt die Zeit für intensive Zuwendung und Erziehung sowie für Regeneration und für Teilhabe am sozialen Umfeld zu verwenden.
Der Druck auf Kinder und Eltern nimmt zu Durch eine Studie im Jahr 2006 an einer Hamburger Schule wissen wir, dass die psychischen und physischen Belastungen der Schulzeitverkürzung auf die Kinder enorm sind. Sie klagten vor allem über ausgeprägte Müdigkeits- und Erschöpfungszustände sowie über Kopfschmerzen. Bis zu 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler verzichten auf außerschulische Aktivitäten und ehrenamtliches Engagement.
Aber nicht nur der durch die Erhöhung der Wochenstundenzahl und die nur ungenügende Anpassung bzw. Durchforstung der Lehrpläne bedingte Zeitdruck lässt den psychischen und physischen Druck auf die Gymnasiasten ansteigen. Diese Entwicklung wirkt sich auch zusätzlich belastend auf die Kinder aller Schulformen aus, weil mehr Abgänger aus dem Gymnasium den Verdrängungswettbewerb auf dem Ausbildungsmarkt noch erhöhen. Die aktuelle Schulzeitverkürzung setzt auch Jugendliche anderer Schulformen enorm unter Druck, wollen sie auf dem Ausbildungsmarkt nicht komplett abgehängt werden.
Schon heute finden nur 43 Prozent der Hauptschülerinnen und –schüler in den ersten sechs Monaten eine weitere qualifizierende Ausbildung. Die anderen drehen »Warteschleifen« oder machen zusätzliche Kurse.
Der Nachhilfemarkt – ein Milliardengeschäft Der Nachhilfemarkt boomt. Jede vierte Schülerin oder Schüler benötigt Nachhilfeunterricht, um die hohen schulischen Anforderungen meistern zu können. Über 2.000 Institute betreiben allein die beiden größten Anbieter Studienkreis und Schülerhilfe. Auf der Strecke bleiben die Kinder, deren Eltern nicht über die nötigen finanziellen, intellektuellen und/ oder zeitlichen Ressourcen verfügen.
Statt Ganztagsschulbetrieb haben wir eine Schule den ganzen Tag Die Anhörung am 11. Juni 2008 im Landtag hat wieder einmal anschaulich verdeutlicht, dass die Schullandschaft immer noch nicht für die Umstellung gerüstet ist. Der Unterricht ist auf den Nachmittag verlagert worden, auch wenn die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für eine Ganztagsschule noch nicht vorhanden sind. Um den Kindern zumindest ein Mittagessen zur Verfügung zu stellen, übernehmen an vielen Schulen Mütter ehrenamtlich die Versorgung der Kinder.
Schluss mit politischen Lippenbekenntnissen Damit die Schere nicht noch weiter auseinander geht, erwarten wir von der Landesregierung verbesserte Anstrengungen für eine Politik, die echte Chancengleichheit zwischen Kindern aus finanziell gesicherten und ungesicherten Familien herstellt.
Entgegen anders lautenden Feststellungen der Landesregierung, müssen wir doch feststellen, dass auch 2008 keine Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt in Sicht ist und der doppelte Abiturjahrgang im Jahr 2013 in NRW dafür sorgt, dass die Abiturienten / Abiturientinnen zweier Jahrgänge aus NRW nicht nur untereinander konkurrieren, sondern der Rückstau der nicht untergebrachten Abiturienten anderer Bundesländer nach NRW ausstrahlen wird, für Betriebe die vergleichsweise älteren und vermeintlich besser qualifizierten Ausbildungsplatzbewerber von Gymnasien gegenüber den Abgängern aus anderen Schulformen eine höhere Attraktivität besitzen, es immer noch keine Vereinbarung zwischen Politik und Wirtschaft gibt, wie der daraus resultierenden steigenden Nachfrage nach Ausbildungsplätzen begegnet werden soll und in der Folge die Probleme auf die weniger qualifizierten Schüler/innen verlagert und individualisiert werden.
Wir erwarten politisches Handeln Wir sind nicht mehr bereit hinzunehmen, dass Familien den durch die Landesregierung verursachten Engpass auszubaden haben und unsere Kinder Versuchskaninchen einer Politik werden, deren Akteure nicht gründlich genug überlegt haben, wie die Verkürzung der Schulzeit sich qualitativ hochwertig umsetzen lässt.
Wir erwarten im Schuljahr 2008/2009, dass die Politik handelt und nachhaltige positive Bedingungen für die Lebensläufe aller Kinder schafft.
Wir fordern ein tragfähiges pädagogisches Gesamtkonzept, dass die Schulen und Lehrpläne auf die verkürzte Schulzeit umgestellt werden und Schule ein Ort bleibt, an dem Kinder auch Sozial- und Alltagskompetenzen erlernen, eine Aufstockung der personellen Ressourcen zur qualitativen Verbesserung der Umsetzung der Schulzeitverkürzung, den Rechtsanspruch auf ein warmes Schulessen, den Ausbau von flächendeckenden Ganztagsbildungsangeboten für alle Schulformen, dass alle Kinder, die ihre nichtschulischen Ausbildungen zwischen 2012 und 2013 antreten die gleichen Chancen erhalten, wie die Jahrgänge davor und danach eine individuelle Förderung (Nachhilfe oder Begabtenförderung) im Rahmen des Ganztagsschulkonzeptes, einen Ausgleich der finanziellen Aufwendungen der Eltern für ein auswärtiges Studium durch Berücksichtigung beim BaföG, bei den Studiengebühren und durch Steuererleichterungen, die Fortschreibung des Hochschulpaktes bis 2020.
Einelternfamilien sind von den Auswirkungen des Doppelten Abiturjahres NRW in besonderer Weise betroffen. Sie sind - trotz hoher Erwerbsbeteiligung - im Vergleich zu anderen Familien überdurchschnittlich arm und gehören gleichzeitig zu den Eltern mit den geringsten Zeitressourcen. Wird einer weiteren Verdichtung der Anforderungen an Familie nicht entgegengewirkt, so sind Probleme auf unterschiedlichen Ebenen absehbar. Es verstärken sich die Belastungen von jungen Erwachsenen und Eltern bis hin zu dem Gefühl, Beruf und Familie im Alltag nicht mehr miteinander vereinbaren zu können. Wenn sich die Vorstellung immer mehr durchsetzt, dass Familienleben hauptsächlich Stress bedeutet, schmälert das die Attraktivität dieser Lebensform erheblich. Mittelbar wird die antizipierte oder realisierte Erfahrung, dass Familienalltag heutzutage nur schwer gelingen kann, dazu führen, dass Kinderwünsche gar nicht oder weniger als gewünscht realisiert werden..
09/2008
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